Über maydaySM
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von Chris, dem «Barden», allgemeiner Ansprechpartner fr maydaySM
SM ist wundervoll, erotisch, aufregend. Meistens. Aber was tun, wenn es ganz anders wurde, als in den Träumen? Wenn ein Spiel völlig daneben ging? Wenn Grenzen überschritten wurden, oder man auf «den Falschen» hereingefallen ist? Wenn auf einmal Fragen kommen, oder wenn dich das, was vorher noch so schön war, plötzlich gruselt? Es gibt eine Gruppe, die sich explizit mit solchen Fragen beschäftigt, nämlich MaydaySM, oder kurz: Mayday.

Bekannt geworden ist Mayday durch das Notfalltelefon, obwohl nur ein kleiner Teil der Mayday-Teilnehmer tatsächlich im Notfallteam mitarbeitet. Mayday erstellt auch eigene Texte, knüpft Kontakte zu anderen Hilfsorganisationen und beschäftigt sich mit thematisch verwandten Randgebieten.

Gegründet wurde Mayday vor drei Jahren auf dem SM-Gruppenleitertreffen in Göttingen. Dort fanden sich Menschen, die immer wieder mit Notlagen konfrontiert wurden, zum informellen Austausch speziell zum Thema Missbrauch. Aus dem Austausch wurde zunächst eine Mailingliste mit dem Namen «SMuM», SM und Missbrauch. Schnell wurde dann jedoch klar, dass das Thema Missbrauch nur die Spitze des Eisberges ausmacht, und man fand den Gruppennamen «Mayday», in Anlehnung des im deutschsprachigen Raumes gebräuchlichen Stoppwortes. Aus diesem lockeren Zusammenschluss entstand schnell eine Gruppe, die mittlerweile über fünfzig Teilnehmer listet.

Mayday hat Teilnehmer aus Deutschland, Holland, Österreich und der Schweiz. Unter den Mayday-Teilnehmern finden sich überdurchschnittlich viele Menschen, die in der SM-Szene aktiv arbeiten, Gruppen leiten, Magazine herausgeben, oder Chats betreiben. Das ist natürlich auch historisch bedingt, da bei der Gründung überwiegend Gruppenleiter beteiligt waren. Es ist aber auch Ausfluss des Netzwerkgedankens.

Gruppenleiter dienen durch ihre Funktion oft als erste Ansprechpartner in einer Krisensituation. Mayday dient hier als Ressource dieser Thematik oder auch ganz konkret, um eine Überforderung des Einzelnen zu verhindern. Die Mitarbeiter von Mayday sind überwiegend ohne Vorbildung zur Gruppe gestoßen. Es befinden sich zwar einige Rechtsanwälte und Therapeuten unter den Mayday-Teilnehmern, aber der Großteil besteht aus Menschen, die beruflich nicht mit Krisenintervention beschäftigt sind. Also war und ist eine Hauptaufgabe von Mayday, Wissen zu diesen Themen zu erlangen und zu verbreiten.

Das «kleine Handbuch für SM-Notfälle» gibt es leider noch nicht, und so betreibt Mayday auf gewisse Weise Grundlagenforschung, mit einer Mischung aus eigenen Erfahrungen und Fachwissen von «Szenefremden» gestaltet sich im Detail als ziemlich schwierig. Es gibt wenig zuverlässiges Material, kaum übertragbare Konzepte und keinerlei brauchbare Sekundärliteratur. Dazu kommt, dass die meisten Mayday-Mitarbeiter mit ihren anderen Projekten bereits so ausgelastet sind, dass für zeitintensivere Mayday-Projekte kaum Raum bleibt. Das mittlerweile angesammelte Individualwissen zu bündeln, zu strukturieren und schriftlich niederzulegen, ist mit Sicherheit eine der größten und wichtigsten Aufgaben von Mayday in den nächsten Jahren. Aber das ist Zukunft. Was ist mit der Gegenwart?

Das bekannteste Projekt von Mayday derzeit ist das Notfalltelefon. Das Notfallprojekt wurde vor einigen Jahren in Köln gegründet, und war zu Beginn lokal auf Nordrhein-Westfalen begrenzt und deshalb beim SMart Rhein-Ruhr e. V. angesiedelt. Die Realisierung des Telefons kostete insgesamt zwei Jahre Arbeit. Am Anfang war nichts als die Idee, ein Telefon zu installieren. Also musste zuerst ein Konzept erstellt werden. Dann begann die schwierige Auseinandersetzung mit den Kritikern der Telefonidee. Einige hatten Angst, das Notfalltelefon könne eine Art «SM-Polizei» werden. Andere hielten ein Notfalltelefon für politisch unklug, wo man doch gerade die Öffentlichkeit von der Harmlosigkeit seines Tuns überzeugt hatte. Wieder andere meinten, ein Telefon macht nur Sinn, wenn man rund um die Uhr Gewehr bei Fuß steht, am besten mit einem Krankentransporter und Nachtdienst schiebenden Psychologen. Den Durchbruch brachte ein Gespräch mit den Initiatoren des schwulen Überfalltelefons. Diese lachten erst einmal laut, als sie von der Idee hörten, dass SM'ler sich gegen Gewalt wehren wollten. Die Notwendigkeit der Initiative begriffen sie aber schnell und so halfen sie mit wertvollen Hinweisen zur Struktur und Organisation.

Der Psychologe, der das Interventionsteam des schwulen Überfalltelefons schulte, bot uns sogar an, unser Notfallteam zu schulen, und so trafen sich zehn Personen in einer Kölner Privatwohnung zur ersten Schulung. Dann war irgendwann der erste Anruf auf dem Telefon, und uns klopfte das Herz bis zum Hals. Bis heute sind die Anrufe noch bei keinem von uns Routine geworden. Es gibt ein seltsames Gefühlsmischmasch, welches nicht leicht zu erklären ist. Da ist ein bisschen Furcht, als Berater zu versagen, und es womöglich noch schlimmer zu machen. Dazu kommt das Gefühl von Traurigkeit, dass ein solches Telefon überhaupt nötig ist, und gleichzeitig etwas Stolz, Teil des Teams zu sein, und das Wissen, dass die Arbeit nicht vergebens war.

Per Telefon melden sich übrigens deutlich weniger Menschen als per E-Mail. Viele kommen auch direkt, wenn es sich herumgesprochen hat, dass man zum Notfallteam gehört. Sehr häufig sind es auch Menschen, die selbst beratend tätig sind, sei es als gute Freunde oder als Ansprechpartner einer Gruppe, die bestimmte Hilfe oder Informationen suchen, z. B. einen Rechtsanwalt in der Nähe. Die Kontakte zu den so genannten «KAPs», «Kink-Aware Professionals», gehört damit ebenfalls zu den Kernaufgaben von Mayday.

Kink-Aware Professionals im Mayday-Sinne sind insbesondere Rechtsanwälte, Therapeuten und Ärzte, die vorurteilsfrei an das Thema SM herangehen. Auf der Mayday-Liste findet sich eine öffentliche Liste, die allerdings nicht sehr umfangreich ist. Es gibt auch eine interne Liste, die umfangreicher ist. Auf der finden sich die KAPs, die zwar keine Vorurteile zum Thema SM haben, die aber nicht ausdrücklich ihrer Veröffentlichungen im Web zugestimmt haben. Dabei handelt es sich zumeist um Empfehlungen aus der Szene. Wir freuen uns über jede weitere Empfehlung. Eine kurze E-Mail mit den Daten an uns genügt. Die interne Liste wird nicht veröffentlicht und keinem Dritten zugänglich gemacht.

Bei der öffentlichen Liste ist die Sache nicht ganz so einfach. Wir freuen uns hier über jeden Neueintrag, aber man muss sich klar darüber sein, dass diese Liste keinen Empfehlungscharakter hat. Ein Rechtsanwalt wird also zum Beispiel nicht bereits deswegen zu einem guten Anwalt, weil er keine Vorurteile vor SM hat. Bei der Therapeutenwahl spielen so viele Dinge eine Rolle, dass das Kriterium «SM» sogar oft eine untergeordnete Rolle spielt. Mayday versteht sich in erster Linie als Selbsthilfeorganisation. Es geht darum, Menschen in Not zu helfen. Deshalb möchten wir den Eindruck vermeiden, «gelbe Seiten für SM'ler» erstellen zu wollen. Solche Seiten wären zwar eine gute Sache, aber sinnvoller bei den Gruppen vor Ort angesiedelt. So sind die meisten Allgemeinärzte auf den Mayday-Listen auch von den Gruppen gemeldet worden.

Mayday möchte kein Monopol auf «Hilfe in SM-Notfällen» haben, im Gegenteil. Eins der wichtigsten Ziele ist es, SM-Gruppen selbst in die Lage zu versetzen, mit SM-Krisen umzugehen. Wir freuen uns über jede Gruppeneinladung. Weiterhin unterstützt Mayday andere Hilfsinitiativen innerhalb und außerhalb der Szene. Das ehrgeizigste Ziel ist jedoch, die Organisationen, die gesellschaftlich in der Primärintervention anerkannt sind, über SM aufzuklären und in der spezifischen Problematik zu schulen. Die Teilnahmebedingungen bei Mayday sind unterschiedlich. Unterstützen kann Mayday natürlich jeder. Viele helfen uns mit Rat und Tat, ohne selbst Mayday-Mitarbeiter zu sein. Wenn man offiziell bei Mayday mitarbeiten will, wird man den anderen Teilnehmern vorgeschlagen. Die bisherigen Teilnehmer haben ein Vetorecht. Für eine Mitarbeit im Notfallteam ist außerdem ein Qualifikationsnachweis erforderlich.

maydaySM ist seit August 2004 ein eingetragener Verein.

 

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